In unserem aktuellen Blogartikel haben wir unsere Marte-Meo-Expertin und Entwicklungsbegleiterin Vivien Wiegmann aus dem Team der pädagogischen Dienste zu Gast. Sie erzählt uns mehr über ihre Arbeit mit der Marte-Meo-Methode und erklärt uns,wie das Ganze im Kita-Alltag funktioniert.
Vivien, du arbeitest mit der sogenannten Marte-Meo-Methode. Kannst du uns kurz erklären, worum es dabei geht und was die Grundlage deiner Arbeit ist?
Wenn Kinder sich entwickeln, ist dies immer ein Prozess, welcher in der Interaktion mit der Umwelt und anderen Menschen geschieht. Solche Interaktionsprozesse zu gestalten ist die tägliche Aufgabe unserer Fachkräfte. Doch was macht eine entwicklungsfördernde Interaktion aus?Welche Aspekte sind wichtig, damit sie gelingen kann?
Um diese Fragen zu beantworten, nutze ich in der Fachberatung gerne die Marte Meo Methode von Maria Aarts. Die Grundlage für die Beratung sind videobasierte Interaktionsanalysen.
Marte Meo bedeutet „aus eigener Kraft“. Und genau darum geht es. Mit Marte Meo kann ich sichtbar machen welche ,,Kräfte“ sowohl in den Kindern als auch in den Fachkräften stecken.
In welchen Situationen und mit welchen Anliegen kommen Fachkräfte auf dich zu?
Wenn Fachkräfte mich zu einer Fachberatung einladen, dann beschäftigen sie oft Situationen, die im Alltag wiederholt auftreten, und welche als sehr herausfordernd empfunden werden. Auch Sorgen um die Entwicklung des Kindes stehen dabei häufig im Vordergrund. Diese Situationen und Sorgen sind alles andere als „Kraft“ spendend, sondern werden eher von unangenehmen Gefühlen begleitet. Das ist menschlich.
Und es ist auch menschlich, dass dann der Blick auf das positive Potential eingetrübt ist und der Fokus eher bei der Schwierigkeit verbleibt. Die Marte Meo Methode kann diesem Erleben positive Bilder entgegensetzen.
Wie geht das konkret und wie läuft eine Beratung mit der Marte-Meo-Methode ab?
Ich filme das Kind und die Fachkräfte im Gruppenalltag und lege den Fokus auf ihre Interaktionen. Später in der Analyse wähle ich die Interaktionsmomente aus, in denen etwas gelingt, und zeige sie den Fachkräften im sogenannten ,,Review“. Dabei erarbeiten wir, welche Aspekte zum Gelingen beigetragen haben. Das Schöne an dieser Methode ist, dass die Fachkräfte dabei sehen, wie sie selbst schon tun, was erforderlich ist.
Das stärkt sie in ihrer Kompetenz und gibt ihnen Handlungssicherheit. Darüber hinaus geben die Bilder/Videos den Fachkräften die Möglichkeit, die Situationen aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen. Sie werden zum Beobachter und sind nicht mehr Beteiligter. Das gibt ihnen die Möglichkeit andere bzw. neue Aspekte zu erkennen, um das Verhalten des Kindes besser verstehen zu können. Dadurch färbt sich das Bild neu und Möglichkeiten werden erkennbar.
Was bewirkt das für die Fachkräfte und für die Kinder?
Die positiven Bilder, die ich zeige, wirken bestärkend und Resilienz fördernd sowohl für die Fachkräfte als auch für das Kind. Denn sie zeigen die Möglichkeiten („Goldminen“) auf, die in beiden schon vorhanden sind. Damit wird ein anderer Zugang möglich, der die Qualität der Interaktion verbessert und die Entwicklung unterstützt. Das führt zu Wachstum und Wohlbefinden.
(vergl. Maria Aarts, MarteMeo Möglichkeiten der alltäglichen Entwicklungsunterstützung, S.12)
Im Interview: Vivien Wiegmann, pädagogische Dienste

